ARTIKEL/INTERVIEWS'

Artikel 1, 2 & 3

1

Interview mit Rhea Powers zum Thema "2012 und danach"
Wir haben sehr viel Hilfe und Führung erhalten, dass wir hier und jetzt sein sollen, dass die Gegenwart alles ist, was existiert. Natürlich machen wir uns Gedanken über das Jahr 2012 – welche Veränderungen auf uns zukommen könnten. Dennoch bin ich sicher, dass du, wenn du dein Leben jetzt anschaust siehst, dass wir bereits Veränderungen erleben.

Vor ungefähr 20 Jahren habe ich ein Buch von Sanat Kumara gechannelt, das „Erde im Wandel“ heißt. Wie sich zeigt, passiert vieles von dem, was vor zwanzig Jahren prophezeit wurde, schon jetzt in den Wirtschaftssystemen der Länder rund um den Globus. Wir erleben bereits eine Reihe von Naturkatastrophen, und die Anzahl der Naturverwüstungen scheint zu wachsen. Auch das war vorausgesagt worden. Es wurde von vielen Menschen in vielen Kulturen vorausgesagt, und es scheint jetzt gerade zu geschehen.

Dennoch – das, was uns auf eine intimere Art betrifft, was in enger Berührung zu uns steht, sind die Veränderungen im Bewusstsein, in die wir hineingestoßen werden. Die Schwierigkeiten in der äußeren Realität fordern uns auf, tiefer in unsere innere Realität einzutauchen. Und das ist der Ort, an dem die Veränderungen in Wahrheit passieren.

So wie die Welt erschüttert wird, so gibt es auch Teile unseres eigenen Bewusstseins, die auf wackligem Boden stehen, während wir mit Aspekten unserer eigenen Totalität konfrontiert werden, die wir bisher noch nicht erkannt haben. Die Veränderung, die für 2012 vorausgesagt wurde, hat bereits begonnen – in dir, in mir, und in denjenigen um uns herum. Wir sind aufgefordert, zentriert zu bleiben. In der Zeit, die vor uns liegt, wird diese Herausforderung noch größer werden, wenn mehr und mehr Veränderungen auf dem Planeten, mehr und mehr Veränderungen in unseren Regierungen, in unserer Wirtschaft und in der Realität, wie wir sie zu kennen glaubten, stattfinden. Dennoch – das einzige, was wir jetzt tun können, ist ganz hier zu sein und zu versuchen, in unserem täglichen Leben so zentriert zu bleiben, wie wir können, und soviel Bewusstsein wie möglich in das zu bringen, wer wir genau hier und genau jetzt wirklich sind.

Vielleicht kennst du jemanden, oder vielleicht bist du jemand, der kürzlich ein wichtiges Erlebnis in seinem Leben hatte. Ich kenne viele Menschen, die auf dem Weg zum Erwachen sind, auf der Reise, die Wahrheit, wer wir sind, zu erfahren, die gerade hier und gerade jetzt Ereignissen gegenüberstehen, die ihr Leben in Frage stellen. Diese Ereignisse fordern dazu auf, versteckte oder unbewußte Teile ihrer selbst anzuschauen, ins Bewusstsein zu bringen, zu untersuchen. Menschen, die seit Jahren an sich selbst arbeiten und die sich bemühen, über ihre persönlichen Muster hinauszugehen, haben es zu tun mit dem Verlust eines geliebten Menschen, einer Störung der Beziehung, dem Verlust eines Jobs oder mit einem anderen Ereignis in ihrem Leben, das lang verschüttetes unbewußtes Material triggert und sie aus ihrer Mitte wirft. Diejenigen von uns, die auf einer Reise zum Erwachen sind, werden mit versteckten Teilen unserer selbst konfrontiert.

Es fällt sehr schwer, zu sehen, wie diejenigen, die wir lieben, herausgefordert werden oder Leid erfahren, und dennoch ist das Teil unserer Lernerfahrung, zentriert in uns zu bleiben und mit dem, was ist, präsent zu sein. Und das ist das einzige, was uns auf die Zukunft vorbereitet. Wir können mit Hoffnung auf die Zukunft schauen, so als gäbe es den Weihnachtsmann, und hoffen, dass es da draußen irgend etwas gibt, das unser Leben besser macht, das unsere Erfahrung besser macht. Oder wir können mit Angst auf die Zukunft schauen, als ob es da etwas außerhalb von uns selbst gibt, etwas, das von uns getrennt ist, um das wir uns Sorgen machen müssten oder das uns Kummer bereitet. Allerdings möchte ich darauf hinweisen, dass, wenn wir in uns präsent sind, wenn wir es uns zur Aufgabe machen, der Wahrheit dessen, wer wir wirklich sind, näher zu kommen, wir uns der Realität öffnen müssen, dass – wie alle Meister gesagt haben – es nur das Eine gibt. Wir sind nicht von der Realität getrennt. Wir sind nicht von der Erde oder den Veränderungen, die die Erde erfährt, getrennt. Wir sind tatsächlich alle Eins.

Je mehr wir uns unserer eigenen Tiefe bewusst sind, unserer eigenen wahren Natur, unserer Einheit mit allem was ist, desto weniger gibt es zu fürchten, wenn äußere Veränderungen stattfinden, wenn Verlust oder Nutzen in der Welt um uns herum auftreten. Uns selbst erkennen, die Wahrheit dessen, wer wir wirklich sind, kennen, unserer wahren Natur näher kommen – das ist wirklich alles, was wir tun können, um uns auf das vorzubereiten, was auch immer das Leben uns bringt. Das hilft uns auch, uns auf den Tod vorzubereiten, der zu jedem von uns kommen wird, unabhängig von dem, was auf dem Planeten geschieht. Es hilft uns auch, unseren Blickwinkel zu verändern, sodaß wir die Illusion der äußeren Realität nicht ganz so ernst nehmen. Die äußere Realität wirkt auf uns ein – ja – und die Veränderungen um uns herum beeinflussen unsere Erfahrung der relativen Realität auf der Ebene unserer Persönlichkeit. Veränderungen um uns herum können alte ängste auslösen. Unsere Ego-Strukturen werden vielleicht etwas durchgeschüttelt, herausgefordert, und unsere Persönlichkeit mag versuchen, die alten Strukturen wieder durchzusetzen, um den Status Quo zu erhalten. Aber in gewisser Weise – wenn wir auf einer Reise zum Erwachen sind, was nützlich ist, was von Vorteil ist – ist es Wasser auf die Mühle, wie Ram Das sagen würde. Es ist eine Möglichkeit, die Orte zu entdecken, wo wir nicht klar sind, oder die Orte, wo alte ängste unsere gegenwärtige Erfahrung beherrschen. Es gibt uns die Chance, die Strukturen aus der Vergangenheit anzuschauen und ein Update auf unserem persönlichen Computer zu machen, indem wir mehr unserer unbewußten Glaubenssätze ins Bewusstsein bringen.

Eigentlich ist das etwas, worüber ich gerne etwas sprechen möchte.

Wir haben eine Persönlichkeit; wir nennen sie unser Ego. Das ist Teil unseres Pakets. Wir haben einen Körper, wir haben Gedanken, Haltungen, Meinungen, Geschlecht, und wir haben unsere Geschichte – in diesem Leben und in vielen, vielen, vielen anderen Leben. Jeder dieser Aspekte unserer Erfahrung prägt unsere jetzige Erfahrung der Realität. Dennoch – nichts davon ist, wer wir sind. Es existiert, es ist real, wir fühlen es, und wir operieren innerhalb dieser relativen Realität. Dennoch – wenn wir tatsächlich beabsichtigen aufzuwachen, bewusst zu werden, die Wahrheit zu erfahren, wer wir sind, dann müssen wir über all das hinausgehen. Wir müssen über unsere Geschichte hinausgehen, über unsere Gedanken, unsere Meinungen, unsere Haltungen, unsere Standpunkte. Wir müssen uns einer tieferen Wahrheit öffnen, die in jedem von uns liegt, und die wir alle an dem einen oder anderen Punkt berührt haben.

Du hast den Teil deiner selbst berührt, der jenseits der Illusion ist, jenseits des Getrenntseins, jenseits der Vorstellung, dass wir dieser Sack von Knochen sind, der mit dieser bestimmten Geschichte in dieser bestimmten Realität herumläuft – andernfalls würdest du das hier nicht lesen.

Es ist wahr, dass wir uns größtenteils mit unserer Geschichte identifiziert haben, mit unserem Körper und unseren Gedanken und Haltungen; aber wer wir sind geht weit, weit über all das hinaus. Wir könnten sagen, dass die ganz relative Realität innerhalb der Totalität dessen existiert, wer wir wirklich sind. Das geht sehr weit, und dahin zu kommen ist nicht so einfach, aber es ist definitiv möglich. Jeder von uns ist schon einmal aus der Box unserer Persönlichkeit herausgetreten, heraus aus der Identität, die uns am vertrautesten ist und mit der wir uns identifizieren. Wir haben einen tieferen Ort in uns berührt, wo wir uns selbst als Einheit erkennen, als die Realität, die jenseits aller Illusion liegt. Wenn wir diesen Ort berühren, erfahren wir Frieden, wir erfahren Hingabe, wir erfahren Wissen auf eine sehr direkte Art – die Wahrheit unseres Seins als Einheit von allem was ist. Je mehr wir damit in Berührung sind, je bewusster wir sind, desto weniger prägen uns Veränderungen in der äußeren Realität. Das ist so, weil wir uns nicht mit dem Teil von uns identifizieren, der von diesen Veränderungen bedroht wird.

Wenn wir unseren Schwerpunkt verlagern, wenn wir den Ort innerhalb unserer Totalität wechseln, an dem wir unsere Erfahrung, wer wir sind, lokalisieren, dann spielt es keine Rolle, was in der äußeren Welt passiert. Wir haben Emotionen, wir erfahren Verlust, aber wir identifizieren uns nicht mit demjenigen, der den Verlust erfahren hat. Es ist eine Erfahrung, die durch unsere Totalität hindurch läuft, sich durch unser Bewusstsein bewegt, aber es ist nicht, wer wir sind.

Wenn ich auf 2012 schaue, dann habe ich nur einen Wunsch: dass wir aufwachen. Daß wir in unserem Bewusstsein näher zu der Wahrheit dessen rücken, wer wir sind. Daß wir uns erfahren als Sein, manifestiert in Form, das von einer Form zur nächsten geht, wobei jedes Leben zu unserer Evolution beiträgt, unser Bewusstsein ausdehnt, so dass wir alle erwachen können. Ob das bedeutet, dass wir in der Form verbleiben, oder dass wir uns wieder auflösen im Absoluten, bleibt abzuwarten.

Wenn wir zu dem erwachen, wer wir sind, werden wir einander natürlicherweise mit liebevoller Güte begegnen, weil das das ist, wer wir sind. Wenn wir zu dem erwachen, wer wir sind, werden wir ganz selbstverständlich Mitgefühl haben, wir werden weise mit einander und dem Planeten umgehen, mit den Ressourcen, die uns hier in dieser physischen Realität zur Verfügung stehen. Wenn wir zu dem erwachen, wer wir sind, werden die meisten anderen Probleme verschwinden.

Während wir erwachen, kann jeder von uns den nächsten Schritt in unserer persönlichen Evolution tun. Wir können unser Leben aus Liebe und Mitgefühl heraus leben. Wir können näher an das heranrücken, wer wir wirklich sind. Wie wir das von der Geschichte des hundertsten Affen her kennen – wir werden das Kollektive prägen. Jeder von uns, auf seine eigene Art, kann etwas bewirken. Wir können der Wassertropfen im Strom sein, der die Richtung der Strömung verändert. Weil die Strömung sich ändert, ändert das die Richtung des Flusses. Weil die Strömung ihn beeinflusst hat, fließt der Fluß auf eine neue Art in den Ozean des Bewusstseins, und manifestiert so eine neue Realität aus dem Absoluten.

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Interview
Kürzlich wurde ich für das spanische Magazin „Tu mismo“ interviewt. Obwohl die Bücher, die in diesem Artikel erwähnt werden, in Spanisch erscheinen und zu Zeit nur eines von ihnen in Englisch erhältlich ist, habe ich mir überlegt, dieses Interview für Interessierte zugänglich zu machen.

Herzlichst, Rhea
Hier sind die Fragen, die mir gestellt wurden und meine Antworten:

1 Sie sprechen in Ihren Büchern über unsere spirituelle Dimension und unsere Aufgabe auf diesem Planeten. Könnten Sie uns diese Ansichten erläutern?
Wir sind Manifestationen des Einen. Wer wir sind, geht über unsere Geschichte in diesem Leben weit hinaus. Wir haben ein Ego oder eine Persönlichkeit, und wir haben unsere wahre Natur. Unser Ego oder unsere Persönlichkeit besteht aus Strukturen, die wir in der Vergangenheit erschaffen haben, um zu überleben. Die meisten von uns identifizieren sich mit diesen Strukturen, anstatt in unserer wahren Identität - göttliche Energie, die sich in der Form minifestiert - zu ruhen. Man könnte sagen, wir identifizieren uns eher mit unserem Ego als mit unserer Seele.

Unsere Seele ist unsterblich -- d.h. sie ist jenseits der Zeit. Jedes Mal, wenn sich unsere Seele inkarniert, tut sie dies mit einem bestimmten Ziel. Gewöhlich handelt es sich dabei um ein zweifaches Ziel -- wir kommen, um einen Beitrag zu leisten, zu geben, und wir kommen, um zu lernen, um zu empfangen. In unseren vergangenen Inkarnationen entwickelten wir Fähigkeiten, die es jedem von uns erlauben, auf seine einzigartige Weise zum kollektiven Bewußtsein beizutragen.

Die ultimative Aufgabe all dieser Inkarnationen ist, die Wahrheit dessen zu entdecken, wer wir wirklich sind.

2 In Ihrer therapeutischen Arbeit mit Patienten wenden Sie die „Clearing“-Methode an. Könnten Sie diese Methode und andere, die Sie benutzen, erklären?
Die „Clearing“-Methode, die sowohl ich, als auch meine Schüler, benutzen, wird ausführlich in meinem Buch „Heimkehren ins Licht“ beschrieben. Es handelt sich, kurz gesagt, um einen Prozess, durch den Energien, die sich aus verschiedenen Gründen an jemanden geheftet haben, befreit werden. Diese Energien können verlorene Seelen genannt werden. Sie bewohnten einst ihren eigenen physischen Körper, und als dieser Körper starb, hefteten sie sich an jemand anderen, anstatt weiter ins Licht zu gehen und die Evolution ihrer Seele fortzusetzen. Diese gebundenen Seelen bereiten dem „Gastgeber“ Probleme. Diese Energien zu befreien und in die Lage zu versetzen, zur Quelle aller Energie zurückzukehren, dient sowohl dem Klienten als auch demjenigen, der befreit wird.

In unseren Gruppen und Trainings benutzen wir auch Rückführungen in vergangene Leben, Meditation, Bewegung, Energiearbeit und verschiedene andere Arten von Prozessen. Obwohl wir verschiedene Techniken lehren, geht es nie um die Technik selbst. Alles, was wir in unseren Trainings tun, hat zum Ziel, die Erfahrung dessen, wer wir sind, vom Ego-Selbst weg- und zur Erkenntnis hinzuführen, daß wir in Form manifest gewordenes Sein sind.

3 Was betrachten Sie als Ihr Haupziel Ihrer täglichen Arbeit mit Patienten?
Wie oben aufgezeigt, ist das Hauptthema, mit dem jeder von uns konfrontiert ist, unsere Identifikation mit unserer Geschichte -- sei es in diesem Leben oder in früheren Leben. Wir haben vergessen, wer wir sind. Wir denken, wir seien unsere Geschichte, unsere Körper, unsere Bildung, unsere Einstellungen, unser Geschlecht, unsere Nationalität, unsere Rasse. Obwohl all diese Dinge die Erfahrung unserer Realität beeinflussen, machen sie nur einen kleinen Teil unserer Totalität aus.

Wenn es in unserer Vergangenheit traumatische Erfahrungen gab und/oder wir unsere Gefühle unterdrückten, ist die Identifizierung mit unserer Geschichte noch stärker. In diesem Fall muß man sich mit der Geschichte befassen, damit die Energie, die die Identifizierung mit der Geschichte aufrechterhält, befreit wird. Das ist die Art von Arbeit, die im Allgemeinen auf individueller Basis und weniger in unseren Gruppen gemacht wird.

4 Denken Sie, daß wir als Menschen einem besonderen Hindernis gegenüberstehen?
Das, was uns alle am meisten behindert, ist unser eigener Innerer Kritiker, oder was die Psychologen Super-Ego nennen. Das ist die Stimme in unserem Kopf, die uns (den ganzen Tag lang) sagt, was und was nicht wir denken, tun, fühlen oder sagen sollten.

Die Aufgabe des Super-Egos ist es, die Strukturen des Egos aufrechtzuerhalten. Unglücklicherweise ist es darin recht effektiv. Jedesmal, wenn wir aus diesen Strukturen, die uns in unserer Begrenzheit halten, heraustreten, kommt der Innere Kritiker herein und versucht, uns in der Schachtel unserer Persönlichkeit zu halten. Das macht es sehr schwer, unsere wahre Natur zu leben, weil es die Identifikation mit unserer Geschichte aufrechterhält (die Persönlichkeit basiert zu 100 % auf der Vergangenheit), und uns davon abhält, in der Gegenwart zu sein, dort, wo wir unser Sein erfahren können.

Mein Buch „Entfaltung der Seele“, erschienen im Kamphausen Verlag, ist ein Arbeitsbuch, das darauf ausgerichtet ist, den Menschen zu helfen, die Stimme des Inneren Kritikers zu erkennen und sich von seinem begrenzenden Einfluß zu befreien. So kann man aus den Strukturen des Ego-Selbsts heraustreten und der Erfahrung unserer wahren Natur als Form gewordener Geist näher kommen.

5 Sie schrieben vor vielen Jahren "Erde im Wandel". Sie sprachen über Erdbeben, überflutungen ... Wenn Sie dieses Buch heute schreiben würden, was würden Sie sagen?
Die Veränderungen, die in dem Buch "Erde im Wandel" erörtert wurden, vollziehen sich derzeit auf unserem Planeten. Viele Menschen spüren ein Gefühl von Dringlichkeit, endlich „in die Gänge zu kommen“, aber sie wissen nicht, wie sie das tun sollten, oder was das genau bedeutet. Viele jener Menschen, die ursprünglich auf diesen Planeten gekommen sind, um ihr Licht und ihre Weisheit in den Dienst der Bewußtseinsveränderung zu stellen, die kommen muß, damit dieser Planet überlebt, sind frustriert und von dem ungeheuren Ausmaß dieser Aufgabe überwältigt.

Dennoch, jedes Mal, wenn einer von uns sich unserer wahren Natur öffnet, wann immer wir uns von den Strukturen des Egos/der Persönlichkeit lösen, wann immer wir unsere Identifikation mit unserer Geschichte loslassen und uns unserem Sein öffnen, prägen wir das kollektive Bewußtsein. Wenn das geschieht, werden wir alle ein wenig wacher. Je mehr wir zur Wahrheit erwachen, desto mehr können wir bewirken. Wenn wir unsere Fähigkeit, anderen bei ihrem Erwachen zu helfen, entdecken, können wir eine noch größere Wirkung auf die im Zusammenhang mit der Erde benötigte Veränderung im kollektiven Bewußtsein erzielen.

Jeder von uns kann seinen Teil dazu beitragen. Das ist das einzige, wofür wir verantwortlich sind. Wir können damit beginnen, indem wir uns fragen: "Wie kann ich meine wahre Natur in diesem Moment leben?"

6 Wie können wir erkennen, daß wir mit unserem wahren Selbst verbunden sind? Gefühle, Wahrnehmung, Denken ...? Wie können wir diese Verbindung halten?
Der Wechsel von der Identifizierung mit unserer Persönlichkeit zur Identifizierung mit unserer wahren Natur ist eine andauernde spirituelle Praxis. Dennoch haben wir alle schon Momente erlebt, in denen wir das berührten, was das Tiefste und Wahrste in uns ist. Wir erlebten Momente, in denen wir uns vom Universum gehalten fühlten, in denen wir die Vollkommenheit der Wirklichkeit erkannten, in denen wir zufrieden mit uns selbst und dem Leben sind. Das sind die Momente, in denen wir in Verbindung mit unserer wahren Natur sind.

Es braucht übung, um die Erfahrung dieser Verbindung aufrechtzuerhalten. Deshalb haben verschiedene Traditionen spirituelle Praktiken, wie Meditation und Achtsamkeit, entwickelt. Der erste Schritt, wenn wir beginnen, uns mit unserer wahren Natur zu verbinden, ist jedoch, sich der Wahrheit zu öffnen, daß wir nicht die sind, die wir glauben zu sein -- daß wir viel mehr sind als das, wofür wir uns üblicherweise halten. Dann kann die Entdeckungsreise beginnen.

7 Wie können wir das tägliche Leben in den Städten mit der Arbeit, die du vorschlägst und der Dringlichkeit, diese durchzuführen, in Einklang bringen?
Meiner Erfahrung nach geht es in diesem Leben darum, unsere Erkenntnisse in die Welt zu bringen. Die meisten von uns, die sich auf einem spirituellen Weg befinden, hatten vergangene Leben, in denen sie in Isolation lebten, sei es in einem Tempel, Kloster oder in einer Höhle im Himalaya. In jenen Leben widmeten wir uns ausschließlich der Vertiefung unserer Beziehung zum Göttlichen. Dieses Mal geht es darum, unser Bewußtsein in den Alltag der Welt zu bringen. Es geht darum, unsere Erkenntnis zu leben. Es geht darum, den Himmel auf die Erde zu bringen.

Unsere Herausforderung besteht darin, unsere Bewußtheit angesichts der vielen Ablenkungen des modernen Lebens zu bewahren. Die tägliche Meditation ist ein großartiger Weg, dies zu tun. Darüberhinaus kann jeder von uns Tätigkeiten finden, die uns zu unserem Gefühl für uns selbst zurückführen. Für einige ist es vielleicht Musik, die sie hören, für andere mag es ein stiller Spaziergang sein, und für wiederum andere mag ein heißes Bad entspannend genug sein, um ihnen zu erlauben, in einer Bewußtseinsebene zu ruhen, die ihr Gefühl dessen, wer sie sind, erweitert.

Du kannst herausfinden, was für dich paßt, indem du dich fragst: "Wann bin ich mit meiner Tiefe am stärksten verbunden?" Dann liegt es an dir, eine Zeit festzulegen, wann diese Erfahrung möglich ist und diese Verpflichtung dir selbst gegenüber unabhängig von den Anforderungen des täglichen Lebens einzuhalten.

8 Was ist deine Interpretation des Gesetzes vom Karma?
Karma ist selbst geschaffen. Nach vielen Jahren als Past-Life-Therapeutin ist mir klar, daß wir unser eigenes Karma aus der uns angeborenen Integrität heraus kreieren. Unsere Seele entwickelt sich durch Erfahrungen in der Form. Das ist mit ein Grund, warum wir wählen, uns auf der Erde zu inkarnieren. Wir haben die Erfahrung jedes unserer Leben selbst gewählt. Während wir in der Geschichte des Lebens sind, vergessen wir jedoch, daß wir diese Erfahrung wählen. Während wir in einem Körper sind, entscheiden wir auf der Ebene unserer Persönlichkeit und der Anhaftung an die Geschichten, die wir erleben. Diese Entscheidungen kreieren unser Karma.

Man kann vieles dazu sagen, aber laß mich schauen, ob ich dir ein kurzes Beispiel geben kann. Angenommen, meine Seele wollte die Erfahrung machen, wie es wäre, wenn andere mir gegenüber völlig loyal wären, ganz gleich, was passiert. Ich inkarniere mich dann und werde ein römischer General im 5. Jhd. In der Geschichte des Lebens treffe ich eine Entscheidung, die den Tod meiner Armee zur Folge hat. Die Trauer (unterdrückt, weil römische Generäle nicht weinen) ist so groß, daß ich entscheide, daß ich es nicht verdiene, ein Führer zu sein, daß ich bestraft werden sollte, indem ich nie wieder glücklich oder mächtig oder reich sein werde. All dies geschieht innerhalb der Geschichte aus der Ebene der Persönlichkeit heraus. Dennoch prägt sich die Energie dieser Entscheidungen in unsere Seele ein. In diesem Fall wird die Einprägung noch durch die unterdrückte, emotionale Energie des Generals verstärkt. In zukünftigen Inkarnationen wird die Einprägung dieser Entscheidungen inszeniert, indem das Versprechen, nicht zu führen, nicht glücklich oder mächtig zu sein, gehalten wird. So entsteht Karma. Wir machen dies. Es gibt weder einen rachsüchtigen Gott noch eine Waagschale des Universums, die über unsere Handlungen Buch führen. Wir kreieren unser eigenes Karma.

9 Möchtest du noch etwas hinzufügen?
Wir sollten sanft mit uns umgehen. Ganz gleich wo wir auf unserer Reise zum Erwachen sind, da ist immer noch mehr. Da ist immer noch mehr zu verstehen, zu integrieren, und in unserem tägliches Leben zu verwirklichen. Es ist ein natürlicher Prozess. Unsere Seele will sich ihrer Natur gemäß entwickeln und ausdehnen. In gewisser Hinsicht gibt es für uns nichts zu tun. Und -- das ist das Paradoxe daran -- wir müssen bereit sein, in jedem Augenblick neu zu sein, loszulassen, wer wir glaubten zu sein, was wir meinten zu wissen, und unseren Seelen erlauben, sich zu entfalten. Wo auch immer wir sind, wir gehen immer nach Hause.


3
Projektionen
Obwohl Gawain und ich nicht mehr verheiratet sind und nicht mehr zusammenarbeiten, denke ich, daß der folgende Artikel für dich nützlich sein kann. Er wurde ursprünglich in der Winterausgabe von „Lotus magazine“ veröffentlicht und ist dem Buch „Riding the Dragon“ von Rhea Powers und Gawain Bantle entnommen, erschienen bei North Star Publications (deutsche Fassung: „Durchs Feuer“, falk Verlag).

Projektionen

Wenn wir Beziehungen als Mittel nehmen, um zu erwachen, dann ist es wichtig, den Prozess der Projektion zu verstehen. Bevor wir jedoch über Projektion sprechen, müssen wir klären, was wir unter Bewußtem und Unbewußtem verstehen. Wir definieren den bewußten und den unbewußten Teil unserer Psyche wie folgt: Der bewußte Teil der Psyche enthält alles, was du weißt, alle Dinge in dir und außerhalb von dir, die dir bewußt sind. Der unbewußte Teil deiner Psyche ist genau das – unbewußt. Das bedeutet, daß er alles enthält, was dir im Augenblick nicht bewußt ist. Der unbewußte Teil nimmt sehr viel mehr Raum in deiner Ganzheit ein, als du vielleicht vermutest. Der bewußte Teil ist, wenn wir seine Größe mit der des unbewußten Teils vergleichen, vielleicht sogroß wie das letzte Glied deines kleinen Fingers. Der Rest des Körpers wäre dann das Unbewußte.

Das Unbewußte steuert nicht nur die Mehrheit unserer Handlungen und Entscheidungen, es steuert tatsächlich auch die Ereignisse unseres Lebens. Unabhängig von dem, was der Verstand sagt – unabhängig von unseren guten Ideen, guten Absichten und positiven Affirmationen – das Unbewußte gibt die Richtung an. Ohne die alte Debatte zwischen dem Konzept des freien Willens und dem der Vorherbestimmtheit wieder aufgreifen zu wollen, beobachten wir einfach, daß die Wahl, die wir treffen, aus einem Teil unserer selbst fließt, der tiefer liegt als das äußere Bewußte.

Projektion ist der psychologische Prozess, durch den wir unsere äußere Realität mit unserer inneren Dynamik überlagern. Es ist absolut notwendig, daß wir wissen, wie Projektion funktioniert, wenn wir Beziehungen als Mittel zur Bewußtwerdung nutzen wollen. Wenn du den Prozess der Projektion nicht kennst, kann dir eine Beziehung schwerlich dabei helfen, „aufzuwachen“.

Das Ergebnis von Projektion ist, daß das, was du im Außen wahrnimmst, nicht unbedingt eine objektive, von dir unabhängige Realität ist, sondern eher eine Wirklichkeit, die von deinen inneren Kräften geformt wurde. Wenn du z.B. denkst, daß dein Partner enorm selbstsüchtig ist, muß deine Wahrnehmung nicht notwendigerweise wahr sein. Es kann tatsächlich so sein, daß du die-/derjenige bist, der/die selbst süchtig ist, und da du diese Eigenschaft in dir selbst nicht erkennst, siehst du sie im Anderen manifestiert. Auf Grund dieses Projektionsprozesses siehst du die Welt und die Menschen um dich herum nicht unbedingt so, wie sie wirklich sind. Es ist eher so, daß das, was du siehst und erlebst, deine eigene innere Dynamik ist, die nach außen auf die Umgebung projeziert wird, so wie man einen Film auf die Leinwand projeziert.

Meistens projezierst du Teile deiner selbst, die du nicht siehst, die unbewußt sind und für die du noch keine Verantwortung übernommen hast – und zwar sowohl die sogenannten positiven als auch die sogenannten negativen Teile. Das gilt besonders dann, wenn du auf Dinge reagierst, die du außerhalb deiner selbst siehst. Mit „reagieren“ meinen wir, daß mit dieser speziellen Wahrnehmung ein ungewohntes Maß an Energie verknüpft ist oder daß sie dich besonders herausfordert. Je mehr Energie du für etwas aufwendest, desto sicherer kannst du sein, daß das, was dich von außen berührt hat, etwas mit dem zu tun hat, was in dir selbst passiert. Während eines unserer Seminare dachte ich einmal, Rhea sei sehr unsicher, und ich kritisierte sie deswegen. Als sie mit ihrer Antwort auf eine Frage zögerte, dachte ich, sie würde ihrer Antwort mißtrauen (was mich davon überzeugte, daß ich recht hatte). Monate später entdeckte ich, daß die Unsicherheit, die ich bei ihr wahrzunehmen glaubte, in Wirklichkeit meine eigene war.

Was wir auf die Welt um uns herum projezieren, ist unser eigenes unbewußtes Material. Wir werden das Wort „Schatten“ benutzen, um den Teil unserer selbst zu beschreiben, den wir nicht sehen, jenen Teil, der uns unbewußt ist. Obwohl dieser Ausdruck in anderen Zusammenhängen benutzt wurde, um das persönliche Unbewußte oder die unterdrückten Teile des persönlichen Selbsts zu beschreiben, benutzen wir den Ausdruck „Schatten“ hier, um sowohl das persönliche als auch das transpersonale Material zu bezeichnen, das dem Individuum nicht dauerhaft bewußt ist.

Die Menschen geben im allgemeinen vor, daß sie lieber die „guten“ Dinge über sich hören als die schlechten. Für viele von uns stimmt das jedoch nicht. Oft fühlen wir uns weit wohler, das „Schlechte“ in uns zu sehen und zu erwarten als das „Gute“. Da man dazu tendiert, „Schatten“ mit „negativ“ gleichzusetzen, möchten wir betonen, daß unser Schatten nicht notwendigerweise „schlecht“ ist. Er ist ganz einfach der Teil unserer Ganzheit, der uns nicht bewußt ist. Oft können wir unsere „guten Seiten“ nicht sehen und projezieren diese Qualitäten auf diejenigen, die um uns herum sind. Unser Schatten ist nicht unser Geheimnis, das wir über jene Eigenschaften breiten, die wir nicht mögen oder zu verstecken trachten. Er ist die Dinge, von denen wir noch nicht einmal wissen, daß es sie gibt. Wenn wir von etwas wissen, wenn etwas bewußt ist, dann ist es kein Schattenmaterial.

Wenn dir bei der Betrachtung deiner Welt etwas auffält, was dich ärgert oder abstößt, dann deshalb, weil dieselbe Sache (oder Qualität oder Eigenschaft) unbewußt irgendwo in dir selbst lebt. Du siehst einen Teil deiner selbst, den du noch nicht anerkannt hast oder für den du noch nicht Verantwortung übernommen hast, im Spiegel. Wenn du sehr stark emotional reagierst - z.B. auf Menschen, die Kinder mißbrauchen oder Frauen schlagen oder Exhibitionisten oder Homosexuelle oder einen Dieb oder Mörder oder Männer im allgemeinen oder Frauen im allgemeinen - kannst du wetten, daß genau die gleiche Sache, gegen die du dich auflehnst, in einem Winkel deiner eigenen Psyche lebendig ist und es sich gut gehen läßt. Wenn wir mit unseren Partnern streiten, wütend werden und sie ins Unrecht setzten und verurteilen, dann wurde unser eigenes Schattenmaterial wachgerufen und wir projezieren es auf unsere Partner. Je rechthaberischer wir sie ins Unrecht setzen, desto mehr kämpfen wir gegen die Erkenntnis an, daß das, wofür wir sie beschuldigen, in uns selbst zuhause ist. Die Eigenschaft oder der Charakterzug unseres Partners oder unserer Partnerin, die unseren ärger auslösen, mag sich in uns anders ausdrücken, nichtsdestotrotz verurteilen wir uns selbst. Ein gutes Beispiel für diesen Mechanismus erlebten wir in Holland während eines Paar-Trainings für Eheleute. Eines Abends während des Abendessens sprachen wir mit einem Ehepaar. Der Mann, den wir Bodan nennen wollen, kommt aus Ghana und hat sich selbst ein erfolgreiches Leben in München aufgebaut, wo er jetzt mit seiner deutschen Frau lebt. Während des Essens erzählte er uns von einem Shamanen, der in sein Dorf in Ghana kam, als er ein Jahr alt war und im Sterben lag. Der Shamane rettete sein Leben mit Hilfe von Pflanzen und Kräutern und zeichnetet ihn mit einer Narbe auf seiner linken Wange. Auf Bitten seiner Eltern blieb der Shamane im Dorf.

Als Bodan größer wurde, lehrte ihn der Shamane die Kunst, zu den örtlichen Pflanzen und Blättern zu sprechen, um Heilung für Krankheiten und andere Formen von Kummer zu finden, unter denen die Dorfbewohner litten. Bodan erklärte uns, daß die Pflanzen seinem Lehrer sagten, welche Krankheiten sie heilen könnten.

Kurz bevor der Shamane starb (zwanzig Jahre zuvor, als Bodan achtzehn Jahre alt war), sagte er ihm, daß er ihn ausgewählt habe, um seine Arbeit fortzusetzen. Die frühkindliche Narbe war das Zeichen, auserwählt zu sein. Als Zeichen seiner Einwilligung hatte Boden nichts weiter zu tun, als ein traditionelles weißes Gewand auf das Grab des Shamanen zu legen und das Wissen würde ihm gehören. Mit achtzehn hatte Bodan allerdings andere Vorstellungen. Aber zwanzig Jahre später, beim Abendessen in Holland, fragte er uns, ob wir dachten, er er solle daran arbeiten, das zu akzeptieren, was sein Lehrer versucht hatte, an ihn weiterzugeben. Der Konflikt zwischen seinem Leben in Europa, das er genoß, und dem Ruf seines Erbes war sowohl uns als auch seiner Frau klar.

Am nächsten Tag während einer Sitzung im Training, begann Bodan, seiner Frau gegenüber ärgerlich zu werden, weil sie die Angewohnheit hatte, mit einem Stoffhund zu sprechen, wenn sie im Alltag eine Entscheidung treffen mußte.Er wurde sehr selbstgerecht und empört, währendn er sich für die Geschichte erwärmte, wie eine „erwachsene Frau“ nicht nur mit diesem ausgestopften Tier sprach, sondern von dem Hund auch noch Antworten bekam und nach diesen Antworten handelte. Wie lächerlich! Während seine selbstgerechte Empörung in Wut umschlug, machte es bei uns „Klick“ und wir erkannten, was da vor sich ging. Das Verhalten seiner Frau ähnelte der Technik, die sein Lehrer benutze. Die Technik, einen externen Gegenstand zu benutzen, um Zugang zur eigenen transpersonalen Wahrnehmung zu bekommen, ist die Basis vieler Arten von „Readings“, von Teeblättern zu Tarotkarten oder dem I Ging. Da er selbst diese Technik abgeleht hatte (und als Folge davon den Mantel des Heilers/Lehrers), und mit seiner Wahl nicht im Frieden war, mußte er seine Frau ins Unricht setzen, weil sie eine ähnliche Technik benutzte. Die Wut, die er auf seine Frau richtete, war letztlich die Wut eines seiner inneren Teile, die sich auf einen anderen inneren Teil richtete. Er war auf sich selbst wütend, weil er die Rolle, die ihm sein Lehrer angeboten hatte, abgelehnt hatte. Als wir ihn darauf hinwiesen, hatte er die Größe, die Projektion zu erkennen. Als das Training das nächste Mal stattfand, strahlte das Ehepaar nicht nur viel tiefere Harmonie aus, sie hatten auch begonnen, ihren ersten Abend-Workshop in München über traditionelle afrikanische Heilweisen zu planen. Darüberhinaus war die Ehefrau jetzt bereit, sich die Weisheit, die sie auf den Stoffhund projeziert hatte, als ihre eigene Weisheit zurückzuholen.

Die eigenen Projektionen zu erkennen stellt einen weiteren Weg dar, wie bewußtes Engagement in einer Beziehung dich darin unterstützen kann, zu entdecken, wer du bist. Wenn du verstehst, daß das, was du in deinem Partner oder deiner Partnerin siehst und worauf die reagierst, etwas ist, was du in dir selbst nicht siehst (obwohl es da ist), gibt dir die Chance, dich selbst vollständiger kennenzulernen. Dadurch daß du dir des Projektionsprozesses bewußt bist, merkst du, daß die Urteile, die du über deinen Partner oder deine Partnerin fällst, mehr über dich selbst aussagen als über deinen Gefährten oder deine Gefährtin.

Es ist sehr schwierig, sich die eigenen Projektionen „anzueignen“. Wir wollen wirklich nicht verstehen, daß alles, was wir in anderen kritisieren, seine Entsprechung in uns selbst hat. Wenn du beginnst, dieses Bewußtsein zu integrieren, kann es wehtun,anzuerkennen, daß alles, was du haßt, alles was du verabscheust und nicht leiden kannst, alles, was du jemals negativ beurteilt hast, auf einer bestimmten Ebene, in einer bestimmten Form Teil deiner eigenen Ganzheit ist. Wenn du erkennst, daß der Projektionsprozess selbst eine unbewußte Verteidigung dagegen ist, dich selbst klar zu sehen, wirst du anerkennen, wie schwierig es ist, deine Projektionen zu erkennen und die Qualitäten oder Charakterzüge derjenigen in Besitz nimmst, die deine Reaktion auslösten. Die meisten von uns würden es vorziehen, die Tatsache zu ignorieren, daß wir in uns selbst genau die Dinge tragen, die wir an anderen veruteilen.

Wenn du dir andererseits vorzustellen vermagst, daß du letztlich alles bist, daß du mit der gesamten Schöpfung verbunden bist, dann fällt es dir vielleicht nicht so schwer, zu erkennen, daß du auch mit jenen Ausdrucksformen der Lebenskraft verbunden bist, die du ablehnst. Wenn du letztlich eins bist mit Allem, Was Ist, dann kann dies nicht nur auf deine Vorlieben zutreffen. Du bist eins mit allem.

Laßt uns zu den Aspekten zurückkehren. Du hast wahrscheinlich schon die Erfahrung gemacht, daß deinen dein Partner oder deine Partnerin während eines Streits absolut widerlich findest. Sekunden später scheint er/sie wie ausgewechselt zu sein. Wie kann das sein? Manchmal ist es schwierig, die scheinbar widersprüchlichen Ausdrucksformen unseres Partners oder unserer Partnerin auf einen Nenner zu bringen. Deine Wahrnehmung ändert sich mit dem Aspekt, der deine Psyche gerade beherrscht. Das, was der eine Anteil deiner Psyche auf den äußeren Bildschirm – genannt „Partner“ – projeziert, unterscheidet sich von dem, was ein anderer Teil auf denselben Bildschirm wirft.Wenn du den Aspekt wechselst, ändert sich deine Wahrnehmung, weil sich das, was du projezierst, verändert hat.Was du im andern und in deiner Umwelt siehst, sind Spiegelungen des Aspekts, der da gerade die Wahrnehmung bestimmt. Was um dich herum ist, ist ein Spiegel deines Innern. Das bedeutet Projektion.

Es gibt eine weise Beobachtung: Immer dann, wenn du mit einem Finger auf einen anderen zeigst, weisen drei Finger in deine Richtung. (Probier es aus!) Es gibt kaum eine andere Technik, die dir so gute Hinweise auf dein eigenes Inneres geben kann, wie diese einfache Geste.

In dem Augenblick, wo wir Verantwortung für unser verleugnetes Material übernehmen und die Teile unserer selbst integrieren, die wir zuvor auf andere projeziert und verurteilt haben, dehnt sich unsere Erfahrung dessen, wer wir sind, aus. „Ja, auch das bin ich“. Wenn wir das sagen können, weitet sich die Erfahrung unseres Seins und wir beginnen, die Welt ganz anders zu erfahren.

Wir alle legen uns als Heranwachsende ein Bild von uns selbst zu. Jedesmal, wenn dieses Selbstbild bedroht wird, hat das Ego eine schwere Zeit. Es kann äußerst schmerzhaft sein, deine Projektionen zurückzuholen und dir die verleugneten Teile deiner selbst wieder anzueignen. Die Erkenntnis, daß das, was wir an unserem Partner oder unserer Partnerin verurteilen, in Wahrheit Teil von uns selbst ist, kann das Selbstbild ganz schön erschüttern.

In deinem Selbstbild erlebst du dich vielleicht als freundlich und friedlich. Nehmen wir einmal an, dein Partner neigt zu Heftigkeit oder Gewaltausbrüchen und du hast ihn oder sie für jeden Wutausbruch verurteilt. (Und zweifelsohne kennst du eine Menge Leute, die mit dir einer Meinung sind!) Jetzt hörst du etwas über Projektion. Huch! Soll das etwa heißen, daß sich Gewalt als Schattenmaterial in deiner eigenen Psyche versteckt? Bingo! Ja , genau so kann es sein! Da du dich selbst immer für so friedlich gehalten hast, kann es dein Selbstbild gehörig durcheinander schütteln, wenn du plötzlich entdeckst, daß du in dir eine nie ausgedrückte Gewalt trägst. (Warum hätte dich sonst jemand angezogen, der ein Gewaltmuster ausdrückt?) Du wirst dich wahrscheinlich mit allen Mitteln gegen diese Wahrheit wehren. Die Erkenntnis, daß wir multiple und nicht einheitliche Wesen sind, wirkt hier als seligmachende Gnade: du hast friedliche und gewalttätige Anteile in dir. Beides sind Teile deiner Ganzheit. Du bist nicht das eine oder das andere. Du bist das eine und das andere.

Das weist auf eine weitere Herausforderung hin. Wenn du dein Schattenmaterial nicht in Besitz nimmst, werden es die anderen für dich ausleben. Normalerweise fällt diese Rolle den Partnern zu. Sie kann aber auch von deinen Kindern oder anderen Menschen in deiner Umgebung übernommen werden. (Vielleicht ist dir schon einmal aufgefallen, daß die Kinder von Pfarrern häufig diejenige Bandbreite an Ausdrucksformen ausleben, die von ihren Eltern beharrlich vermieden werden.)

Wenn du sehen kannst, wie subtil und unbewußt der Projektionsprozess abläuft, kannst du beginnen, die Teile deiner selbst, die du auf andere projeziert hast, wieder in Besitz zu nehmen. Es ist oft leichter, das Opfer eines zornigen Partners zu sein und diesen Partner selbstgerecht für schuldig zu erklären, als anzuerkennen, daß, jawohl, Gewalttätigkeit auch in dir selbst lebt.Die meisten Menschen haben schon Lehrer oder Gurus angetroffen, die ein Bild von Heiligkeit aufrechterhalten, während sich ihre verdrängte Gewalt, Unehrlichkeit oder Verwirrtheit in ihren Anhängern zeigt oder sogar durch sie ausgedrückt wird. Die Beispiele reichen von BaghwanShree Rajneesh zu Werner Erhard und Jim Bakker.

Als unsere Assistentin vor einigen Jahren unser Auto und das, das sie gerammt hatte, zu Schrott fuhr, war die Verlockung groß, sie zu verurteilen. Da wir jedoch über Projektionen Bescheid wußten, wußten wir auch, daß uns eine schwierige Suchaktion in unseren eigenen Seelen bevorstand. Da sie unser Fahrzeug fuhr, war uns klar, daß sie, unabhängig von dem, was es für sie selbst bedeutete, auch etwas stellvertretend für uns inszeniert hatte. Hinter die Quelle des offensichtlichen „Unfalls“ zu schauen, war sehr unangenehm. Wir sahen, daß wir, die wir jahrelang unsere Arbeit in Europa aufgebaut und gepflegt hatten, keine Verantwortung für unsere eigene destruktive Energie übernommen hatten. Diese trat jetzt durch den „Unfall“ zu Tage und wolle geehrt werden.

Wenn du anfängst, deine Projektionen zurückzuziehen, erweitert sich dein Selbstgefühl und du weißt immer besser, wer du bist.Wenn du anfängst, deine Projektionen zurückzuziehen, und du das als zu dir selbst gehörig anerkennst, was du in anderen verurteilt hast, heißt das nicht, daß du diese Eigenschaften jetzt auch ausleben mußt. Hast du anerkannt, daß z.B. Gewalttätigkeit in dir vorhanden ist, daß ein Aspekt deiner eigenen Psyche zu Gewalt neigt, heißt das noch lange nicht, daß du fortan Gewalt in deinem Leben manifestieren mußt. Hier macht uns das Wissen, daß wir multipel sind, wieder ein Geschenk. Du magst gewalttätige Aspekte in deiner Ganzheit haben. Aber du mußt diese Gewalt in dir nicht verurteilen. Genausowenig mußt du den zornigen Aspekten deiner Psyche erlauben, dich unangemessen zu beherrschen. Es mag Zeiten geben, wo es durchaus angemessen ist, diesen gewaltfähigen Aspekten zu erlauben, dein Verhalten zu bestimmen. Wenn du oder jemand, der in deiner Obhut ist, von einem gewalttätigen Menschen oder einem bösartigen Tier angegriffen werden, kann es angemessen sein, mit Gewalt zu

antworten.

Wenn du zu all den Teilen, zu denen du zuvor „nein“ gesagt hast, „ja“ sagst, müssen die Menschen deiner Umgebung diesen Aspekt nicht länger für dich spiegeln. Wenn du sagst „Ja, ich kann gewalttätig sein“, „Ja, ich kann egoistisch sein“, „Ja, ich kann selbstbezogen sein ... ich kann verwirrt sein ... ich kann nervig sein ... ich kann ein Kontrollfreak sein“, dann müssen die in deiner Umgebung deine projezierten Schatten nicht mehr für dich zum Ausdruck bringen. Du stellst vielleicht sogar fest, daß sich dein Freundeskreis verändert, wenn du Teile deiner selbst, die du auf andere projeziert hattest, zu dir zurückholst. Noch einmal: das Unbewußte will bewußt werden. Wenn dir dein eigenes Gewaltpotenzial (oder jede andere Qualität oder Eigenschaft) nicht bewußt ist, wird es sich dir solange präsentieren, bis du es anerkennst – bis es bewußt wird.

Wenn wir unsere Projektionen zu uns zurückholen, wenn wir unsere eigenen enteigneten Kräfte wieder in Besitz nehmen, muß unsere Welt dieses Material nicht mehr für uns spiegeln. Wenn wir unsere individuelle Gewalt in Besitz nehmen und dafür die Verantwortung übernehmen können, wird Gewalt in der Welt weniger werden. Wir müssen dann keine Tyrannen mehr kreieren, auf die wir das projezieren können, was wir in uns versteckt haben.

Wir – Rhea and Gawain – haben viel Zeit in Deutschland verbracht und wir haben beobachtet, was mit den Westdeutschen geschah, als die Mauer fiel. Die meisten von ihnen waren nach dem Krieg geboren worden oder hatten als Kinder die letzte Phase des Dritten Reiches erlebt. Plötzlich gab es kein „die da drüben“ mehr, auf die die Westdeutschen ihre Schatten projezieren konnten. Im letzten halben Jahrhundert waren zuerst die Nazis „die Bösen“ und später dann die Kommunisten. Den gleichen Porzess durchlief die westliche Welt in Bezug auf das „böse Weltreich“ der Sowjetunion. Aber jetzt ist die Mauer gefallen. Deutschland ist ein Land. „Die da drüben“ gibt es nicht mehr. Die Deutschen haben deshalb die Neo-Nazis aufs Tapet gebracht, und damit einen Bildschirm erschaffen, auf dem sie ihre Schatten sehen können, um endlich eine Möglichkeit zu haben, sich mit dem unbewußten Nazi in ihnen – und in uns allen – konfrontieren zu können.

Wenn du in deiner Beziehung mit dem Spiegelbild, das du Partner/in nennst zu arbeiten beginnst, wenn du beginnst, dich selbst im anderen zu sehen, deine enteigneten Teile im Partner oder der Partnerin zu sehen, dann verändert sich deine Welt. Zu erkennen, daß das, was du im Anderen gesehen hast, letztlich etwas ist, das du in dir selbst nicht gesehen hast, ist Teil des Prozesses der Inbesitznahme deiner Projektionen. Es heiß, du hast erkannt, daß du gegen ein Trugbild angekämpft hast, gegen eine deiner Eigenschaften, die du auf deinen Partner oder deine Partnerin projeziert hattest. Wenn du das wirklich sehen kannst, brauchst du ihn oder sie nicht mehr zu beschuldigen oder zu verurteilen. In diesem Augenblick verändert sich dein Partner oder deine Partnerin buchstäblich vor deinen Augen. Das ist wunderbar. Plötzlich siehst du deinen Partner oder deine Partnerin so, wie du ihn/sie noch nie gesehen hast. Aha! Wer ist das da wirklich? Ein solcher Augenblick wirkt sehr ernüchternd, weil du eine dir heilige überzeugung – die Wirklichkeit betreffend – aufgegeben hast und zugeben mußt, daß du im Irrtum warst. Das führt zu wahrer Demut.

Der Prozess, Projektionen zurückzunehmen, ist unumgänglich, wenn du zu der Wahrheit dessen erwachen willst, wer du wirklich bist. In einer engagierten Beziehung gibt es reichlich Gelegenheiten für diesen Prozess. Gibst du dem Wunsch, deinen Partner zu beschuldigen und das Opfer zu spielen, nicht weiter nach und siehst stattdessen in ihm oder ihr eine Möglichkeit, dich selbst besser kennenzulernen, bist du einen Schritt weiter auf deiner eigenen Reise zum Erwachen.

Das ist keine leichte Arbeit. Es ist herausfordernd und unangenehm, zu sehen, daß das, was du negativ beurteilt hast, letztlich ein Teil von dir selbst ist. Manchen von uns fällt es auch schwer, anzuerkennen, daß das, was wir am Anderen so wunderbar gefunden haben, ebenfalls ein Teil von uns selbst ist. Es kann genauso schwer sein, die sogenannten positiven Projektionen vom Bildschirm des Andern zurückzuholen und als Teil des eigenen Selbsts zu integrieren.